Kleines 1x1: Radfahren und Radpendeln in Dortmund

Mit dem Fahrrad zur Arbeit und in die Innenstadt

Morgens am Frühstücktisch sitzen, danach im Auto oder in der Bahn – und schließlich den ganzen Tag auf der Arbeit. Man sitzt viel, bewegt sich wenig oder einseitig körperlich belastend – und oft auch nicht an der frischen Luft. Dadurch kommt bei den meisten Arbeitnehmer*innen eins ganz klar zu kurz: die Gesundheit. Was dabei auch den Kürzeren zieht: das Stadtklima. Die Dortmunder Straßen sind zu Stoßzeiten voll mit Autos, die häufig nur mit einer Person besetzt sind. Für mehr als 48 Prozent ihrer Wege nutzen die Dortmunder*innen ist das Auto . Mit über zehn Prozent Fahrradanteil an der gesamten Verkehrsmittelwahl zeigt sich, dass der Radverkehrsanteil zwar steigt, aber hier noch viel Luft nach oben ist – diese Potenziale sollten wir nutzen.

74 Prozent der zurückgelegten Wege der Dortmunder*innen liegen unter 10 Kilometer, 51 Prozent sogar unter fünf. Und dennoch wird das Auto in Dortmund auf fast jedem zweiten Weg genutzt, selbst kurze Wege bis fünf Kilometer werden zu 40 Prozent mit einem Kfz zurückgelegt. Wir finden: zu Unrecht. Denn das Fahrrad bietet zahlreiche Möglichkeiten, entspannt, erfrischt und sportlich zur Arbeit oder in die Innenstadt zu kommen. Lastenfahrräder, Anhänger, E-Bikes oder Angebote wie Fahrradleasing machen aus dem einfachen Drahtesel einen wahren Allrounder, der dem Auto locker den Schneid abkauft.

Fabian Menke
Fabian Menke
Radfahr- und Fußgängerbeauftragter
"Es ist ein weitverbreitetes Gerücht, dass es in Deutschland viel regnet und Radfahrer*innen andauernd nass werden. Das kann ich widerlegen!"

In die Pedale, fertig, los!

Mit der richtigen Motivation kann es auch schon losgehen. Über Schleichwege, Abstellmöglichkeiten sowie weitere Tipps und Tricks für Dortmunds Radpendler*innen informiert Fabian Menke, Radfahr- und Fußgängerbeauftragter der Stadt Dortmund:

Das Wichtigste ist, sich vorab mit der Strecke bekannt zu machen. Besonders Umsteiger*innen denken noch aus der „Autoperspektive“ und vergessen die kleineren, parallellaufenden Straßen. Auf diesen darf meistens nur 30 km/h gefahren werden, es ist weniger los und häufig gibt es auch wenige Unterbrechungen durch Ampeln. Mit diesen Tricks lässt sich eigentlich aus jedem Stadtteil eine schnelle und entspannte Route in die Innenstadt finden.
Generell gilt: Radfahrer*innen müssen auf Radwegen fahren, wenn vorhanden. Man erkennt sie an den blauen Rad-Verkehrsschildern – vor allem auf größeren Verkehrsachsen sind diese häufig zu finden, beispielsweise auf der B54. Hier muss bei Auf- und Abfahrten der Autospuren aufgepasst werden. 
 

Optimal ist die Radstation am Hauptbahnhof – diese ist nicht nur für Bahnpendler*innen gedacht, obwohl das viele Radfahrer*innen glauben. Für einen Euro am Tag kann das Rad dort sicher und trocken abgestellt werden. Eine Monatskarte kostet acht Euro.
Wenn es keine Möglichkeit gibt, das Rad in einem Parkhaus abzustellen, sollte darauf geachtet werden, dass es an einem richtigen Fahrradbügel abgeschlossen wird. Die Radständer, in denen nur das Vorderrad reingeschoben wird, kann ich nicht empfehlen. Am sichersten steht es, wenn außerdem Folgendes beachtet wird:

  • Immer zwei Schlösser nutzen: Eins am Rahmen und eins beispielsweise am Vorderrad. So haben potenzielle Diebe zwei Schlösser zu knacken. Das dauert lange!
  • Sind die zwei Schlösser zudem unterschiedlicher Bauart – zum Beispiel ein Spiralschloss und ein Bügelschloss – ist es noch schwerer für Diebe. Häufig haben die nur Werkzeug für eine Bauart dabei.
  • Bei der Wahl des Abstellortes darauf achten, dass er möglichst belebt und gut einsehbar ist. Es gilt: Je belebter, desto sicherer.

Wer regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fahren möchte, kann sich beim Arbeitgeber informieren, ob etwa in der Tiefgarage oder im Keller die Möglichkeit besteht, das Fahrrad abzustellen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann eine Einrichtung einer solchen Abschließmöglichkeit sicherlich anstoßen werden – viele Unternehmen sind offen dafür und begrüßen es, wenn ihre Mitarbeiter*innen mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen.

Es ist ein weitverbreitetes Gerücht, dass es in Deutschland viel regnet und Radfahrer*innen andauernd nass werden. Das kann ich widerlegen – ich habe mir nämlich ein Jahr lang tägliche Notizen zum angesagten und tatsächlichen Wetter gemacht. Das Ergebnis: An rund 40 Prozent der Fahrtage waren schlechtes Wetter und Regen angesagt. Effektiv geregnet hat es aber nur an etwa zehn Prozent der Tage. Und der Regen war dann auch meistens nicht so schlimm, wie befürchtet. Deswegen müssen sich Umsteiger*innen eigentlich nicht allzu viele Gedanken über Regenkleidung machen. Eine herkömmliche Allwetterjacke reicht in der Regel aus. Die Oberschenkel lassen sich mit Bein-Regenschützern bedecken: Diese werden wie einen Gürtel um die Hüfte getragen und können bei Bedarf ausgerollt werden.

Zum Thema Sichtbarkeit auf dem Rad gibt es verschiedene Meinungen. Viele Radfahrer*innen tragen Warnwesten. Das hilft sicherlich, kann aber auch irritierend für andere Verkehrsteilnehmer*innen sein, da Warnwesten eigentlich nur im Notfall getragen werden. Ich würde daher Kleidung mit integrierten Reflektoren empfehlen. Bei vielen Outdoor-Jacken ist unauffälliges, aber reflektierendes Material eingearbeitet. Zusätzlich können noch Reflektorbänder am Arm getragen werden – diese sind an dieser Stelle besonders praktisch, wenn Fahrtrichtungen beim Abbiegen angezeigt werden. Generell gilt jedoch: Vor jeder Fahrt muss die Beleuchtung gecheckt werden. Wenn diese funktioniert und alle notwenigen Reflektoren angebracht sind, sind Radfahrer*innen schon auf der sicheren Seite.

Noch ein letzter Tipp zum sicheren Fahren: Bitte unbedingt immer anzeigen, in welche Richtung abgebogen wird – das gilt sowohl für Fahrräder als auch für Autos. Je mehr die Verkehrsteilnehmer*innen untereinander kommunizieren, desto sicherer und entspannter wird es!

Aufgepasst: Gehwege & Geisterradeln

Auch wenn die Fahrt auf der Straße ohne Schutz- oder Radfahrstreifen unsicher sein kann, dürfen Gehwege in der Regel nur von Kindern unter zehn Jahren zum Radfahren genutzt werden. Bei Missachtung wird ein Bußgeld von 55 bis 100 Euro fällig. Ein weiterer Fehler, der Gelegenheitsradler*innen gerne unterläuft: Das „Geisterradeln“. Genau wie mit dem Kfz muss auch auf dem Fahrrad die korrekte Fahrtrichtung beachtet werden. Das heißt: Grundsätzlich immer nur auf dem rechts der Fahrbahn liegenden Radweg fahren, außer es ist explizit anders ausgeschildert. Kommt es beim Geisterradeln zum Unfall, muss der Geisterradler meist voll haften.

Sicher auf dem Sattel

Fahrradfahren bringt eigentlich nur Vorteile mit sich. Vor allem auf kurzen Strecken in der Stadt ist man auf zwei Rädern häufig schneller und stressfreier unterwegs als auf vier. So weit, so gut. Doch worauf solltest du achten, wenn du mehr aufs Fahrrad umsteigen möchtest?

Safety first: Diese Vorgaben fürs Fahrrad müssen beachtet werden

Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) legt fest, wie ein verkehrssicheres Fahrrad ausgestattet sein muss. Wie bei vielen Dingen in Deutschland gibt es hier einige klare Regeln und Vorgaben. Bei Missachtung können Bußgelder von bis zu 80 Euro und ein Punkt fällig werden. Achte also auf jeden Fall darauf, dass dein Fahrrad alle Vorschriften erfüllt.

Schutzstreifen, Radfahrstreifen & Co.

Viele (Rad-)Wege führen ans Ziel

  • Schutzstreifen

    Dieser ist durch eine gestrichelte Linie und Fahrrad-Piktogramme auf dem Boden gekennzeichnet. In Ausnahmefällen dürfen Autos darauf fahren, jedoch weder Halten noch Parken ist erlaubt. Eine Nutzung ist für Radfahrer*innen nicht zwingend.

  • Radfahrstreifen

    Der Radfahrstreifen muss von Radfahrenden zwingend genutzt werden und ist von einer durchgezogenen Linie von der Autospur getrennt sowie durch ein blaues Fahrrad-Verkehrsschild und Piktogramme auf dem Boden gekennzeichnet. Dieser Streifen darf von Autos in keinem Fall befahren werden, auch Halten oder Parken ist darauf verboten.

  • Radweg

    Im rechtlichen Sinne sind lediglich durch blaue Verkehrsschilder gekennzeichnete Wege Radwege. Diese müssen Radfahrer*innen verpflichtend nutzen, außer wenn die Wege wegen Laub, Schnee, Eis oder parkenden Fahrzeugen nicht sicher befahrbar sind.


Für Wissbegierige

Eine Übersichtskarte zeigt alle Radwege, Schutzstreifen und Radfahrstreifen in Dortmund

Zur Radwegekataster

Trockene Stellplätze: Das Fahrradhaus-Projekt des ADFC Dortmund-Unna

Zum Fahrradhaus-Projekt

Größtes Fahrradparkhaus der Stadt am Dortmunder Hbf

Zur Radstation Dortmund

Novelle der StVO 2020: Neue Verkehrsschilder und Regelungen für den Radverkehr

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